Dienstag, 8. März 2016

{ Rezension } Infernale von Sophie Jordan


Titel: Infernale

Autor: Sophie Jordan


Verlag: Loewe


Seiten: 384


Erschienen: Februar 2016


Alter: ab 14 Jahren


ISBN: 9783785581674






Wieso dieses Buch


Der Klappentext hat mich sehr interessiert. Ich mag solche Themen und "düstere" Jugendgeschichten. Außerdem wurde so ein Hype darum gemacht, dass ich gar nicht um Infernale drumherum gekommen bin. Natürlich war ich auch sehr neugierig auf dieses Buch. Noch kurz etwas zur Buchgestaltung: Das Cover finde ich schön gestaltet. Am Anfang habe ich gerätselt, was dieses Zeichen auf dem Hals wohl zu bedeuten hat. Jetzt weiß ich es und erscheint mir ein perfekt gewähltes Bildcover. 



Kurzer Inhalt


Die junge Davy wird positiv auf das Homicidal-Tendency-Syndrome (HTS) getestet, dem Mördergen. Daraufhin verhalten sich ihre Eltern ihr gegenüber sehr abweisend, alle ihre Freunde wenden sich von ihr ab und sogar ihre beste Freundin und ihr Freund wollen nichts mehr von ihr wissen. Davy wird mit anderen HTS-Trägern in einer öffentlichen Schule "verwahrt" und von den normalen Schülern abgegrenzt. Als Davy auf ihre alten Freunde trifft und durch eine dumme Situation mit ihrem Freund der Kragen platzt, wird sie an die Regierung verraten und für die Öffentlichkeit sichtbar als HTS-Trägerin gekennzeichnet. Jeder kann nun sehen, dass sie das Mördergen in sich trägt. Ein weiter Schock für das junge Mädchen. Einzig und allein Sean, ein ebenfalls gekennzeichneter HTS-Träger und Klassenkamerad, schafft es, sie aus ihrer Starre herauszuholen. Eine zarte Bande zwischen den beiden Mördergen-Trägern entsteht und Davy fühlt sich zu Sean mehr und mehr hingezogen. Als immer weitere Menschen positiv auf das HTS-Gen getestet werden, sieht das System keine anderen Möglichkeit mehr, als diese in einzelne Lager zu stecken und komplett von der Öffentlichkeit wegzusperren. Davy hat allerdings das "Glück" und kommt wegen ihrer Begabung vorerst mit anderen "brauchbaren" Jugendlichen in eine Art Trainingscamp. Doch was dort von den Trägern verlangt wird, ist für Davy einfach schockierend und ihr wird allzu deutlich klar, dass sie nur zwei Möglichkeiten hat: Entweder beugt sie sich diesem Irrsinn, oder ihr bleibt nur die Flucht, um dem Ganzen zu entkommen. Gelingt ihr diese oder beugt sie sich dem System? Wird es Davy gelingen, sie selber zu bleiben und wird ihre Liebe bestehen können? 


Ich sag noch was dazu

Was für ein Buch! Ich war gefesselt, wütend und fassungslos. Man wird anfangs an das perfekte Leben von Davy herangeführt und "genießt" sozusagen mit ihr die heile Welt. Umso erschütternder ist dann alles, was danach kommt.
Davy ist ein 17-jähriges Mädchen, was in einer perfekten Welt aufwächst - ein Wunderkind, das schon mit 3 Jahren Klavierspielen konnte. 


“Ich habe schon immer gewusst, dass ich anders bin." S. 11


Sie geht auf eine private tolle Schule, hat den besten Freund den es gibt, eine super Freundin, ein wunderbares Zuhause und sonst ist alles einfach nur toll.  Als Davy dann positiv auf das Homicidal-Tendency-Syndrome, dem Mördergen, getestet wird, ist es für sie natürlich ein riesiger Schock und ich konnte mich gut in Davy reinfühlen. Den langsamen Start der Geschichte fand ich deshalb sehr gelungen. 

Ab dieser erschütternden Nachricht gerät das bisherige Leben für Davy komplett aus den Fugen. Sie wird praktisch von allen gemieden, sogar von ihren eigenen Eltern. Nur ihr Bruder steht voll hinter ihr, was ich ganz schön fand, doch auch er kann ihr nicht wirklich helfen. Sie hat ab sofort auch keine Rechte mehr und ihr wird ein Sachbearbeiter zugeteilt, der sowieso keine Mördergen-Träger mag und alle am liebsten gleich vernichten würden. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich diesen Kerl wirklich gehasst habe und ihn am liebsten selber weggesperrt hätte. 

Davy wird in eine öffentliche Schule mit anderen HTS-Trägern gesteckt und von den normalen Schülern ferngehalten. Sie werden sich selber überlassen und ein richtiger Lehrer ist an ihrer weiteren Schulbildung nicht wirklich interessiert. Das Ganze fand ich sehr bedrückend, weil man da schon die Ausweglosigkeit ihrer Situation gespürt hat. Die einzelnen Charaktere in ihrer Klasse sind allesamt ganz unterschiedlich und jeder versucht mit diesem Umstand anders umzugehen. 
Sean, ein Klassenkamerad von Davy, hat mir gleich von Anfang an gefallen. Er ist ruhig, kühl, gelassen, strahlt Überlegenheit aus und scheint auch sonst ein ganz harter Typ zu sein. Als Davy ihn zum ersten Mal begegnet, ist sie total fassungslos von ihm, weil er seine Markierung so cool und locker in der Öffentlichkeit trägt. Er ist zwar abweisend zu Davy, doch hat er auch etwas an sich, was wiederum ziemlich faszinierend für sie ist. Eben ein Bad Boy mit weichem Kern. Erst als unsere Protagonistin durch ein ziemlich unglückliches Versehen das Zeichen selbst öffentlich tragen muss, fühlt sie sich mit Sean verbunden und ein zartes Band zwischen den beiden entsteht allmählich. Natürlich ist die Geschichte vorhersehbar, doch das hat mich keineswegs gestört.


"Ich gehe zur Tür, doch er hält mich auf, greift mit beiden Händen nach mir, dreht mich um. 
Unser Atem stößt aufeinander, seine Lippen sind so nach, dass ich sie fast schmecken kann."  S. 224


Nachdem es zu mehreren Anschlägen durch HTS-Trägern gekommen ist und auch immer mehr Menschen auf das Mördergen positiv getestet werden, beschließt die Regierung, alle Träger einfach in Lager wegzusperren. Für Davy ist das natürlich ein weiterer Schock. Muss sie doch ihr Elternhaus verlassen und in einem Lager unter unwürdigen Umständen leben. Doch aufgrund ihrer Begabungen hat sie die Möglichkeit in ein Trainingscamp mit anderen ausgewählten Jugendlichen zu kommen. Dort sollen die jungen Menschen für etwas trainiert werden. Doch für was, sickert nicht so ganz durch. Ich vermute aber, dass für die Jugendlichen nichts Gutes dabei rauskommen wird. Erst ein besonderer tragischer Zwischenfall, wo Davy zu etwas gezwungen wird, was sie eigentlich gar nicht machen will, setzt dem Ganzen ein Ding der Machtlosigkeit auf. Davy kommt mit der ganzen Situation nicht zurecht. Sie zerbricht langsam...


“Ich setze eine Fuß vor den anderen, kann es kaum erwarten, mich in mein Zimmer zu verschanzen.  Um mich vor dem zu verstecken, was ich getan habe - was ich bin". S. 339


Doch wieder ist es Sean, der ihr hilft. Mit ein paar anderen Jugendlichen planen sie die Flucht. Das sich die Autorin mit der Geschichte etwas Zeit gelassen hat und die Spannung erst ziemlich zum Schluss kam, hat mich überhaupt nicht gestört. Diese Fassungslosigkeit und auch die Ausweglosigkeit, die Davy gespürt hat, traf mich selber und zum Glück geht die Geschichte - hoffentlich bald - in einem weiteren Buch weiter....  



Mein Fazit zu diesem Buch


Schockierend, tragisch, machtlos, wütend, traurig, fassungslos aber auch hoffnungsvoll lässt mich Infernale zurück. Der Schreibstil, die Geschichte und auch die Charaktere, die die Autorin geschaffen hat, konnten mich vollkommen überzeugen. Ich freue mich auf den nächsten Teil und kann Infernale mit gutem Gewissen weiterempfehlen. 




Ich gebe hierfür volle




♥︎   ♥︎   ♥︎   ♥︎   ♥︎


5 von 5 Leseherzen


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"Worte sind wild, frei, unverantwortlich und nicht zu lehren. Natürlich kann man sie einfangen, einsortieren und in alphabetischer Reihenfolge in Wörterbücher stecken. Aber dort leben sie nicht."
Virginia Woolf